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13.01.2002 / 10.43 Uhr

Sextant: Letzte Fliegeruhr oder erste Weltraumuhr?


War die Sextant-Uhr eine Fliegeruhr oder ist sie bereits ein Fossil der Raumfahrt-Geschichte? Wernher von Braun und seine Ingenieure berechneten ab 1942 mit dieser Uhr die Flugdaten der in Peenemünde gestarteten Raketen.

Der Träger einer ARISTO-SEXTANT wird immer wieder nach der Bedeutung der spiegelverkehrten Zahlen auf dem Zifferblatt seiner Armbanduhr gefragt. Denn auch die meisten Fliegeruhren-Kenner wissen oft nicht, welche Bedeutung dieses Zifferblatt für die Raketentechnik in der Pionierzeit der Raumfahrt hatte.

Als der spätere NASA-Pionier Wernher von Braun in Peenemünde die V-Raketen entwickelte, benötigte sein Team für die Flugbahnbestimmung dieser unbemannten Flugobjekte hochpräzise Messgeräte. Es stand bereits der aus der Nautik bekannte Spiegelsextant zur Verfügung. Damit bestimmen die Seefahrer ihren Standort, indem sie die Winkelabstände zwischen den Gestirnen und ihre Höhe messen.

Um dieses Messgerät für die Luft- und Raumfahrt nutzen zu können, benötigten die Ingenieure in Peenemünde eine Uhr, die gemeinsam mit einem Sextanten diese Berechnungen ermöglichen konnte. Die Uhrenfabrik Lange & Söhne in Glashütte lieferte 22 dieser Uhren im Jahre 1943 aus.

Wie Hansjörg Vollmer, der Neugründer der ARISTO WATCH GmbH in Pforzheim, bei seinen Recherchen herausfinden konnte, war diese Uhr eine Modifikation der heute in Sammlerkreisen hochgeschätzten B-Uhr (Beobachtungsuhr). Damit steht die Sextant-Uhr historisch gleichberechtigt in einer Reihe neben den drei Fliegeruhren-Klassikern mit den Modellbezeichnungen "Beobachter", "Bomber" und "Navigator" (siehe auch www.aristo-watch.de). Die auffällige Spiegelschrift-Indikation der Sextant-Uhr war notwendig, damit die Uhr zusammen mit der Visiereinrichtung eines Spiegelsextanten genutzt werden konnte.

Die von Lange montierten 22 Uhren wurden geliefert zu einem Stückpreis von 360 RM, was einem Gegenwert von mindestens 2.000 Euro entspricht (Zum Vergleich: Der erste VW-Brezel-Käfer sollte für einen Preis von 990 RM ausgeliefert werden). Bei einem Preis dieser Höhe handelte es sich also auf keinen Fall um eine Dienstuhr für das Bedienungspersonal der Peenemünder Raketenabschussrampe. Dieses B-Uhr-Sondermodell war eine Offiziersuhr, die nach Abschluss der Berechnungen dem Vorgesetzten zurückgegeben werden mußte - ähnlich wie alle anderen B-Uhren der deutschen Wehrmacht, die nach der Rückkehr von einem Flug dem Staffelkommandanten wieder ausgehändigt wurden.

In der Rechnungskopie der Firma Lange & Söhne werden diese 22 B-Uhr-Modifikationen beschrieben wie folgt: "Werk Kal. 48 mm, Gehäusedurchmesser 65 mm, Gehäuse als Fliegerarmbanduhr gearbeitet, aus Messing hergestellt und grau mattiert, mit Lederriemen, genäht und doppelt genietet, Uhr mit herausziehbarer Krone und Anhaltevorrichtung, Werk durch Lederring in der Gehäuseführung gasdicht abgeschlossen ....."

Die Zifferblatt-Beschreibung lautet in diesem Lieferbegleitschreiben vom 22. Oktober 1943: "..... anstelle der Zahlen III und IX verlängerte Teilungsstriche 15 und 45, mit Leuchtziffern und -zeigern, Sekunde aus der Zifferblattmitte, 45. Sekunde springend, Sekundenzeiger am rückwärtigen Ende mit leuchtendem Strich versehen."

Die ARISTO SEXTANT wurde ab dem Jahre 2001 zunächst nur für den US-Markt in Pforzheim produziert. Bei der Entwicklung dieses Modells orientierten sich die ARISTO-Designer streng an jenen ersten Prototypen aus dem Jahre 1942, für die folgende Vorgaben galten: "Schwarzes Zifferblatt mit römischen Zahlen, 1/5-Sekunden-Indikationen mit arabischen Zahlen 5 bis 55 und entsprechende Zahlenreihe in Spiegelschrift".

Als Gehäusematerial wählte der ARISTO-WATCH-Neugründer Hansjörg Vollmer für diese Replika bewußt Titan. Hansjörg Vollmer: "Dieses Material ist eine Hommage an den Weltraumfahrt-Pionier Wernher von Braun, der in Peenemünde den Grundstein legte für seine späteren Erfolge als NASA-Entwickler. Titan hat sich in der Weltraumfahrt bewährt. Außerdem hatten die Gehäuse der 1943 von Lange & Söhne ausgelieferten 22 Modelle Gehäuse aus graumattiertem Mesing. Farblich entspricht Titan dieser Vorgabe, es ist in seinen Trageeigenschaften diesem Material aber weit überlegen."

Mit einer Wasserdichtheit bis 5 atm und ihrem kratzfesten Saphierglas übertrifft die ARISTO SEXTANT ebenfalls ihre Vorbilder. Die Zwiebelkrone ist nicht nur eine nostalgische Reminiszenz an die klassischen Fliegeruhren, sondern sie ist auch heute immer noch beliebt bei Uhrenträgern, die beruflich oder in der Freizeit (Motorradfahrer!) Handschuhe tragen, die das Nachstellen der Uhr erschweren.

Das technische Innenleben der ARISTO SEXTANT würde die Ansprüche der Peenemünder Weltraumpioniere an ein hochpräzises Uhrwerk ebenfalls mehr als zufriedenstellen. Die ARISTO SEXTANT ist wahlweise erhältlich mit dem modifizierten Handaufzugwerk ETA 2801(17 Jewels) oder dem Automatikwerk ETA 2824-2 (25 Jewels); beide Werke mit Incabloc-Stoßsicherung und Sekundenstopp.

Aber wie bereits gesagt, auf eines muss der Uhrenfreund vorbereitet sein, bevor er zum ersten mal seine ARISTO SEXTANT trägt: Man wird ihn immer wieder nach der Bedeutung der spiegelverkehrten Zahlen auf seiner Armbanduhr fragen. Denn auch die meisten Fliegeruhren-Kenner wissen oft nicht, welche Bedeutung das Zifferblatt-Design der ARISTO SEXTANT einst hatte für die Pioniere der Raumfahrt.

Quelle: www.uhren-schmuck.de




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